Nur ein Beruf für "Hochbegabt"?

Eltern möchten immer nur das Beste für ihr Kind. Wurde das Kind als hochbegabt oder begabt diagnostiziert, sehen es viele in Führungspositionen in Unternehmen, erfolgreiche Selbständige, im weißen Kittel durch Krankenhäuser flitzen...
Ja und oft ist es natürlich dann auch so. Aus gut und best geförderten, hochbegabten Kindern, die bereits im Kindergarten und in der Schule mit besonderen Begabungen in Mathematik, Physik, Chemie und Sprachen auf sich aufmerksam machen, denen liegen auch die Universitäten zu Füßen und der Weg scheint klar vorgezeichnet.
Aus Mathe Assen in der Schule, werden Mathematiker, Informatiker, aus Physik Liebhabern werden Ingeneure, Physiker, Wissenschaftler in Flugzeugtechnik und Raumfahrt. Aus Sprachbegabten Autoren, Philosophen, Fernseh- und Zeitungsredakteure, Dolmetscher , Germanistiker und was es sonst noch gibt.
Dann gibt es aber unter den Hochbegabten auch die kreativen Chaoten. Schaut man in ihre Tests hinein, dann weisen sie nicht nur in einem , zwei Bereichen absolute Spitzenbegabungen auf, sondern haben ein breites Spektrum überdurchschnittlicher Begabungen und Hochbegabungen in fast allen Bereichen.
Sie sind wissbegierig, ständig zu Neuem bereit und legen sich ungern auf nur ein oder zwei Wissensgebiete fest. Sie brauchen immer neuen Input. Alles was sie im Laufe des Lebens interessiert, wird beäugt, und bei entsprechendem Interesse innerhalb kurzer Zeit in sich aufgesogen. Sie wollen unbedingt ihre gedankliche Freiheit, springen zwischen ganzen Wissensbereichen - und die können völlig konträr sein - hin und her. Das ist der Kick, den sie brauchen. Um glücklich und zufrieden mit sich selbst und ihrer Welt leben zu können.
Wird dieser z.B. durch äußere Einflüsse blockiert (indem man sie auf eine Begabung festnagelt) dann ist ihre Welt nicht mehr in Ordnung. Sie fühlen sich falsch bis hin zu beginnenden Depressionen. Denn sie sind dann erst mit sich selbst im Reinen und in ihrem Element, wenn sie ihre vielfältigen Interessen ausleben können.
Natürlich mag es den äußeren Schein haben, dass sie sich verzetteln, zu viel gleichzeitig anfangen, den Fokus auf eine Sache verlieren. Das mag tatsächlich phasenweise und in Einzelfällen sogar stimmen. Aber, sie haben auch das Talent und den Weitblick, Dinge “rund werden zu lassen” Dinge zu Ende zu bringen, bevor sie sich einer neuen Herausforderung stellen.
Denn sehr viele vielbegabte Hochbegabte haben einen ausgeprägten Ehrgeiz und Perfektionismus- mit weniger geben sie sich nicht zufrieden als dem Optimum.
Das mag alles fürchterlich anstrengend und kompliziert klingen. Ist es manchmal auch. Selbst für den Vielbegabten selbst. Es kann deshalb vorkommen, dass der erlernte Beruf in jungen Jahren, durchaus ein oder sogar zweimal im Leben ausgetauscht wird. Oder, dass der Vielbegabte mit zwei Berufen gleichzeitig jongliert und erst dann zur Bestform aufläuft.
Wir leben in einer Zeit, in der generell, Hochbegabung oder nicht, der alles und glückselig machende “Beruf fürs ganze Leben”, nicht mehr den aktuellen Anforderungen unserer Gesellschaft entspricht.
Die Digitalisierung, der überaus schnelle, technische, wie auch gesellschaftliche Fortschritt, sorgen dafür, dass einmal Erlerntes, oft nicht mehr ausreicht. Flexibilität, Kreativität, Spontanität, das sind Eigenschaften, die oft und gerade in der Schule, nicht erwünscht, oder vernachlässigt werden. Diese sorgen aber dafür, dass Menschen in der Zukunft finanziell und gesellschaftlich überleben können. Es wird nicht mehr “den Beruf fürs Leben” geben. Schon gar nicht für diese Vielbegabten, die sich trauen, während ihres Lebens in vielleicht zig Berufen heimisch zu werden und damit für Verwirrung und Kopfschütteln ihrer Umgebung zu sorgen.
Also lassen wir diese vielbegabten Kinder ihre Welt entdecken. Sich in jeder erdenklichen ud vertretbaren Weise in Wissenschaft und Kunst ausprobieren. Sehen wir dies als Geschenk und nicht als Eigenschaft “sich zu verzetteln” und im Chaos zu enden.
Das heißt aber nicht, dass Kinder alles nur 1-2 mal ausprobieren sollen und zu zig Hobbies gefahren werden müssen. Das wäre falsch gedacht. So lernen Kinder, dass sie nichts zu Ende bringen müssen und sobald Schwierigkeiten auftauchen, Dinge verwerfen können.
Die echten vielbegabten Hochbegabten aber, werden sich erst einmal in verschiedene Themen hineinwühlen und nicht eher los lassen, bis sie möglichst alles darüber wissen. Und das - kann eine ganze Weile dauern.
Herzliche Grüße
und schöne Ferien wünscht
Simone Hock